super oder normal

tankstellen. geschichte eines modernen mythos

von Bernd Polster

248 Seiten, erschienen im Dumont Buchverlag, Köln 1995

 

Die erste Weltgeschichte der Tankstelle.

 

Das Buch, dem eine zweijährige internationale Recherche zugrunde liegt, erzählt die Karriere einer modernen Konsummaschine. Es zeigt die Methoden der Ölmultis, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg in Amerika das "Go-West"-Gefühl auf vier Räder setzten, und wie nach dem zweiten Weltkrieg auch in Europa das Glück an der Zapfsäule lachte. Der üppig und klug illustrierte Band geht erstmals den Spuren nach, die der Treibstoff des 20. Jahrhunderts in Architektur, Kunst, Film und Literatur hinterlassen hat. Auch die Themen Tankstellen-Design und Benzin-Werbung werden untersucht, historische Kampagnen, wie der berühmte "Tiger im Tank", ausführlich dargestellt. Vieles wird hier erstmals dokumentiert: zum Beispiel wie die Tankstelle in der Bauhaus-Ära in Deutschland zu ihrer modernen, noch heute gültigen Form fand.

 

Tankstellen sind eine Randerscheinung der automobilen Zivilisation. Es bedarf wohl eines Kulturschocks oder zumindest einer Irritation, um diesen höchst banalen Ort, überhaupt wahrzunehmen. Als Ende der 70er Jahre das große Tankstellensterben einsetzte, gab es inmitten unseres ansonsten stets aufgeräumten  Wirtschaftswunderlandes plötzlich Stätten des Verfalls. Aus dem Staunen über dieses Phänomen entstand das erste Tankstellenbuch. Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, mussten die Bürger der Ex-DDR nicht lange auf modernen Tankkomfort verzichten.Den alten ostdeutschen Stationen, standen nun blitzneue Tankstellen gegenüber. Diese historisch einmaligen Situation führte zu der Idee, sich nochmals näher mit dem Thema zu beschäftigen. Herausgekommen ist eine umfassende Kulturgeschichte jener Apparatur, die die Globalisierung ebenso in Schwung brachte wie den modernen Suoerkapitalismus.

 

Textprobe: Tankwarte, Service, Souvenirs